BOX INSTAGRAM STORY: akinoxberlin – Reiner

„Ich habe gelernt, mich anzupassen!“

BOX Instragram Story - Reiner
BOX Instragram Story - Reiner

In dieser neuen Rubrik stellen wir Instagram- und Facebook-Profile unserer Leser vor und den Kerl, der dahinter steckt. Wenn du auch Interesse daran hast, schreib uns kurz eine Mail.

Heute geht’s nach Berlin. Sein Gesicht ist in der Gay Community bekannt, aber trotzdem erkennt man ihn oft nicht. Seine Leidenschaft: Puppy-Fetisch – und alles was dazu gehört.
Reiner lebt bei Instagram und im echten Leben gleich 2 Persönlichkeiten aus. Ein reales und ein von KI bestimmtes. Daher gehen wir auch auf beide Accounts ein und stellen ihm jede Menge Fragen. Nachts wandelt Reiner dann in Puppyoutfit durch die Straßen Schönebergs. Oft will er auch nicht erkannt werden.
Marcel sprach mit Reiner über seine Identitäten.

BOX: Dein Profil bewegt sich zwischen Fetisch, Community und digitaler Inszenierung. Wer ist der Mensch hinter „Akinox“?

Reiner: Hinter Akinox steht ein Mensch, der sich für PVC, Rubber, Leder und Sportswear begeistert und dadurch verschiedene Facetten der Fetischwelt entdeckt hat. Akinox gibt mir die Möglichkeit, in diese Welten einzutauchen und mich kreativ auszudrücken, ohne dass sie mein gesamtes Leben bestimmen.

BOX: Du schreibst, dass du für echte Verbindungen offen bist. Was bedeutet eine echte Verbindung für dich in einer Zeit von Apps, Social Media und schnellen Kontakten?

Reiner: Ich lerne gern Leute über Apps und Social Media kennen, aber vieles fühlt sich dort ziemlich schnelllebig an. Wahre Verbindung entsteht für mich eher im echten Leben – wenn man sich trifft, miteinander redet, sich Zeit nimmt und sich gegenseitig respektiert.

Gummi, PVC, Leder, Sportswear – was fasziniert dich an diesen Welten, und gibt es einen Favoriten?
Alles in diesen Welten finde ich spannend, weil jede ihren eigenen Reiz hat. Wenn ich es eingrenzen müsste, mag ich Sportswear und PVC besonders gern. Und wenn es etwas kinkyer wird oder ich bewusst in diese Szene gehe, ist Rubber für mich definitiv das Highlight.

BOX: Wie hat die Fetischszene dein Leben verändert – persönlich, sozial oder vielleicht sogar beruflich?

Reiner: Durch Berlin und die letzten Jahre habe ich angefangen, die Fetischszene und Materialien wie PVC, Rubber, Leder und Sportswear für mich zu entdecken. Besonders spannend finde ich das Einkleiden selbst und den Style dahinter – weil es für mich nicht nur ein Ausdruck nach außen ist, sondern auch einfach ästhetisch und teilweise sehr stylisch wirkt.

BOX: Welche Vorurteile über die Fetisch- und Puppy-Szene begegnen dir am häufigsten?

Reiner: Ich erlebe die Szene als ziemlich vielfältig. Nach außen wirkt es manchmal schnell auf Klischees reduziert, aber für viele ist es einfach ein Teil von Ausdruck oder Wohlfühlen. Am Ende zählt für mich aber immer der Mensch dahinter und der respektvolle Umgang.

BOX: Berlin gilt als eine der offensten Städte Europas. Ist die Realität wirklich so frei wie viele Menschen glauben?

Reiner: Berlin ist grundsätzlich sehr offen, aber nicht überall gleich frei. Je nach Gegend und Umfeld kann sich das sehr unterschiedlich anfühlen. Es gibt viel Raum zum Ausleben, aber auch Situationen, in denen man eher aufpassen sollte. Beides gehört für mich zur Realität.

BOX: Wie hat sich die schwule Berliner Szene in den letzten Jahren verändert – zum Guten oder zum Schlechteren?

Reiner: Ich glaube nicht, dass man das als besser oder schlechter bewerten kann. Jede Zeit hat ihren eigenen Reiz. Die Szene verändert sich natürlich, aber für mich geht es eher darum, sich darauf einzulassen und mitzugehen.

BOX: In deiner Bio erwähnst du den Spannungsbogen zwischen Realität und künstlich erschaffenen Bildern. Wo ziehst du selbst die Grenze zwischen Authentizität und Inszenierung?

Reiner: Wir alle zeigen online gerne unsere besten Seiten und inszenieren unseren Content ein Stück weit. Wichtig ist für mich aber, dass das reale Leben auf Echtheit basiert und man nicht in einer reinen Rolle im Internet verschwindet. Für mich bleibt die Basis immer die Echtheit.

BOX: Gibt es etwas, was deine Follower über dich vermutlich komplett falsch einschätzen?

Reiner: Man wird online schnell falsch eingeschätzt. Nur weil jemand selbstbewusst wirkt oder sich präsent zeigt, wird das manchmal direkt als Arroganz oder Überheblichkeit gelesen. In der Realität ist das aber oft ganz anders. Ich würde sagen, viele werden da vorschnell abgestempelt, obwohl sie privat respektvoll und ganz normal mit Menschen umgehen.

BOX: Worauf bist du in deinem Leben außerhalb von Instagram am meisten stolz?

Reiner: Ich bin vor allem stolz darauf, meinen eigenen Weg zu gehen und dabei mit beiden Beinen im Leben zu stehen. Für mich bedeutet das, selbstbestimmt und trotzdem bodenständig zu bleiben.

BOX: Was würdest du deinem jüngeren Ich sagen, das gerade erst seine Sexualität und Identität entdeckt?

Reiner: Meinem jüngeren Ich würde ich nicht viel anderes sagen. Ich habe mich schon früh mit meiner Sexualität auseinandergesetzt und verschiedene Phasen durchlaufen – von hetero über bi bis hin zu gay. Am Ende habe ich gelernt, meinen eigenen Weg zu gehen und gut mit mir selbst umzugehen. Deshalb würde ich sagen: bleib bei dir und vertrau dir.

BOX: Wenn du die Berliner Community mit drei Worten beschreiben müsstest – welche wären das?

Reiner: bunt – direkt – abenteuerlich

BOX: Du hast neben Akinox auch ein privates Profil. Wie würdest du dieses Profil in beschreiben, und was erfahren Menschen dort über dich, was sie auf Akinox nicht sehen?

Reiner: Mein Fetisch-Profil ist eher inkognito, bleibt aber trotzdem nah an mir selbst. Mein anderes Profil ist stärker kreativ ausgerichtet. Dort setze ich vor allem Projekte wie Videos, Flyer und Poster sowie andere visuelle Ideen um.

BOX: Welche Eigenschaften haben Akinox und dein privates Ich gemeinsam – und worin unterscheiden sie sich am stärksten?

Reiner: Der Unterschied liegt vor allem im Kontext. Mein privates Ich ist Alltag und persönlich, Akinox ist mein öffentlicher, kreativer Ausdruck. Inhaltlich ist beides aber ziemlich nah an mir.

BOX: Gibt es Momente, in denen die Kunstfigur Akinox Schutz bietet oder dir hilft, Dinge auszudrücken, die du privat vielleicht zurückhaltender zeigen würdest?

Reiner: Eigentlich brauche ich keine Kunstfigur, um mich auszudrücken, weil ich privat eher direkt und offen bin. Unter meinem Namen Akinox gibt mir dieser Ausdruck im öffentlichen Raum trotzdem manchmal einen gewissen Abstand – einfach die Möglichkeit, unterwegs zu sein, ohne erkannt zu werden und dadurch Ruhe zu haben. Es geht mir weniger um Schutz, sondern eher um Freiraum und Ruhe im öffentlichen Raum.

BOX: Was sollen Leser nach diesem Interview über den Menschen hinter Akinox mitnehmen?

Reiner: Mir ist wichtig, dass man Menschen nicht vorschnell über ihr Äußeres oder ihren Ausdruck beurteilt. Hinter jedem Profil und jeder Maske steckt eine echte Person mit eigenen Erfahrungen. Gerade in der Community sollte man den Menschen dahinter sehen und respektvoll miteinander umgehen.

Bilder: BOX, Reiner