Oliver Hensel ist Künstler, Kölner und bekennend queer. Seine Werke verbinden Formgefühl mit farblicher Freiheit, Struktur mit Intuition. Im Interview spricht er über kreative Prozesse, seine Verbundenheit zur Heimat – und warum Sichtbarkeit heute wichtiger denn je ist.
Ein Gespräch über Kunst, Haltung und den Dom.
BOX: Du beschreibst, dass du beim Arbeiten an deinen Bildern „in Raum und Zeit“ eintauchst. Kannst du dieses Gefühl näher erläutern?
Oliver Hensel: Ich gebe mich meinen Werken hin, in dem Moment gibt es nur mein Werk und mich, Zeit spielt da keine Rolle mehr; und während ich die Bilder erschaffe, vergesse ich fast alles um mich herum.“
BOX: Wie gehst du bei einem neuen Bild vor – gibt es einen festen Plan oder ist alles spontan?
Oliver Hensel: Meistens habe ich eine Idee im Kopf, die ich dann versuche umzusetzen. Ich suche nach einer Form aus Holz und entwickle ein Muster.
Dieses Muster breche ich dann häufig – durch Farbe, Strukturen oder ein anderes Muster. Das passiert aber spontan, während ich arbeite. Der kreative Prozess ist sehr lebendig.
BOX: Viele deiner Arbeiten spielen mit Kontrasten wie Licht und Schatten oder kräftigen Farben. Welche Wirkung möchtest du beim Betrachter erzielen?

Oliver Hensel: Ich wünsche mir, dass der Betrachter mit den Augen an meinen Bildern „hängen bleibt“ und immer wieder etwas Neues entdeckt.
Viele meiner Werke kann man von jeder Seite aufhängen – das eröffnet neue Perspektiven und Eindrücke. Besonders meine weißen Bilder spielen spannend mit Licht und Schatten.
BOX: Deine Titel wie „Die magischen Vier“, „Satellitenstadt“ oder „Quadrat im Quadrat“ wecken Neugier. Welche Rolle spielen sie?
Oliver Hensel: Bilder zu betiteln macht mir einfach Spaß. Ob die Titel immer genau passen, ist eine andere Frage. Bei „Sonne im Meer“ oder „Satellitenstadt“ sehen viele sicher etwas anderes, als der Titel vielleicht vermuten lässt – und das ist okay.
BOX: In welcher Weise würdest du dich als queeren Künstler positionieren? Siehst du queere Themen oder Ästhetiken bewusst in deiner Arbeit reflektiert?
Oliver Hensel: Ich bin schwul, so lebe ich – und meine Kunst ist somit auch schwul. Anfangs wollte ich Regenbogenfarben noch nicht zu plakativ einfließen lassen. Mittlerweile sehe ich es als wichtiges Statement: Farbe bekennen, Flagge zeigen – gerade in Zeiten von AfD, Trump & Co. ist das für mich ein Muss.
BOX: Welche Ideen oder Themen beschäftigen dich aktuell – in Bezug auf Form, Farbe oder Inhalt?
Oliver Hensel: Mir ist wichtig, dass ich etwas von meiner Heimat Köln in Form und Farbe ausdrücke. Es ist der „Kölsche Dom“ geworden, und ich bin fein damit. Wenn wir früher mit dem Familienauto aus dem Urlaub zurückkamen, haben wir als Kinder immer gespielt, wer zuerst den Dom sieht. Für mich ist der Dom Heimat und ein Gefühl von „nach Hause kommen“.
BOX: Was wünschst du dir für die Zukunft ?
Oliver Hensel: Noch bin ich in einem größeren Gemeinschaftsatelier. Ich suche aktuell nach einem Ladenlokal, in dem ich arbeiten und meine Werke präsentieren kann, ob
alleine oder auch zu Zweit.
Für die Zukunft wünsche ich mir, weiterhin Zeit für meine Werke zu haben. Ideen habe ich viele, und ich bin gespannt wo die Reise mich noch hinführt.
Veranstaltungstipp
Am Samstag, den 29. November 2025 von 15.00 – 20.00 Uhr , lädt Oliver Hensel herzlich zur aktuellen Ausstellung in sein Atelier 127 im Höninger Weg, 50969 Köln ein.
Erleben Sie neue Werke in inspirierender Atmosphäre – wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Kontakt:
Website: www.oliverhensel.art