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SMOKING Laster & Fetisch

Rauchen war – und ist es in der Pubertät noch immer – eines der großartigsten Merkmale, um sich vom kaugummikauenden-Panini-Bilder-sammelnden Pöbel zu unterscheiden. Jeder, der seinen Kindern sagt, dass Rauchen zu jeder Zeit blöd war, weiß instinktiv, dass er lügt, denn man war in der Pubertät mit dem Glimmstängel einfach cool. Man konnte durch dieses Rauchzeichen in der mit Unsicherheiten behafteten Pausenzeit das Zeichen setzen, dass man abends nun auch in irgendwelchen rebellischen Freizeiteinrichtungen weit weg vom elterlichen Beschützungsradar zu irgendeinem hippen Lifestyle gekommen ist.

Ab dem schnuckeligen Alter von 20 wird die Zigarette allerdings schon hinterfragt. Oftmals die bereits finanziell aus dem letzten Loch pfeifenden Studenten stellen zügig eine nutzlose finanzielle Belastung fest sowie auch die zahlreichen Nichtraucher, die einen ungern küssen und im Winter auf den kalten Balkon verbannen, runden das Bild der formvollendeten Sinnfreiheit der Nikotininhalation ab und man nähert sich idR in den 30ern der qualvollen Entwöhnung. Ja, ich stand auch da: In der Raucherecke und kam mir ganz toll eigenwillig vor und natürlich hab mir (zwar verhältnismäßig früh mit Mitte 20) das Rauchen wieder abgewöhnt, aber es war anstrengend und notwendig zugleich.

Für mich hat sich selten wieder die Frage gestellt, ob ich eine rauchen sollte, außer natürlich im betrunkenen Kopf, wenn um einen herum alle rauchen und der Kollektivzwang seine Wirkung frei entfalten konnte. Aber die Zigarette hatte grundsätzlich ihre Bedeutung in meinem Alltag verloren. Rauchende Männer und Frauen wurden eher belächelt bis fast bemitleidet.
Hatte die Dietrich seinerzeit durch das Rauchen noch ihre Rebellion ausdrücken können, möchte man eine rauchende Madonna heute eher fragen wollen, ob sie ihr Seilchenspringen auf der Bühne mit der Raucherlunge so hinbekommt.

Wirklich? Nun ja, eigentlich raucht Madonna auch gar nicht, aber bei jedem zweiten Shooting nimmt die sportsüchtige und trotzdem skandalfreundliche Dame die Zigarette zur Hand, um dem Bild eine besondere Würze zu verleihen. Nicht umsonst hat sich die Femme Fatale in Basic Instinct im Verhörraum direkt nach dem Rauchverbot eine gemütlich angezündet, alle anwesenden Männer mit ihrem Einblick in den Schritt heiß gemacht und ganz nebenbei den Lügendetektor beschissen. Warum harmoniert das so perfekt zu einer Zigarette? Weil der Antimainstreamcharakter einer Zigarette immer noch nicht verloren gegangen ist, insbesondere dann nicht, wenn man es in den richtigen Kontext einbettet, z. B. in den Kontrast zu einer wundervoll gepflegten Frau oder im schummrigen Licht, wo man Al Capone & Co erwartet. Man stelle sich nun einen Mann in Leder auf einem Motorrad vor, stecke ihm noch eine Zigarre in den Mund und Zack werden wir politisch korrekten Schwulen wieder alle ganz wuschig und vorbei ist es mit der Sinnfreiheit des Rauchens und willkommen in einer Welt, wo dem Rauchen wieder eine Bedeutung zuteil wird: Als Fetischelement. Denn irgendwie unterstellt man dem rauchenden Mitmenschen aufgrund seiner Zügellosigkeit eine ganz andere, selbstsichere und rauere Sexualität.

Wie toll lässt sich mit diesem Element in der Sexualität spielen! Schon mal gevögelt worden und der Aktive hat dabei geraucht? Wäre mir persönlich jetzt schon wieder zu anstrengend, aber die Wirkung, dass man als Sub eigentlich sein vermeintlich höchstes Gut der Körperöffnung seinem Spielpartner vertrauensvoll anbietet und dieser setzt diesen Akt gleich mit der alltäglichen Handlung des Rauchens – das hat schon was ordentlich Erniedrigendes. Oder mein persönlicher Lieblingsmoment, wenn sich dein Sub, um dir zu imponieren den Mund bereits trocken geblasen hat, du dir eine Fluppe anzündest und damit die Botschaft sendest: „Meine volle Aufmerksamkeit ist deine Aktion zwar nicht wert, aber kannst schon gern noch was weiter machen.“ Das degradiert deinen Sub zu einem Dienstleister der ganz unpersönlichen Art.

Das Spiel kann man natürlich noch weiter treiben, indem weitere alltägliche Handlungen wie z.B. eine SMS schreiben zum Rauchen addiert, dann objektifiziert man seinen Sub so stark wie vergleichsweise eine Trockenhaubennutzung beim Frisör.
Aus der Perspektive des „Gebenden“, wenn man es mal so dezent betiteln möchte, hat diese Objektifizierung nicht nur den Vorteil der Erniedrigung, sondern auch die Konzentration auf die Aufgabe als Solches ähnlich dem Effekt entstehend bei einem Penis, der aus einem Glory Hole hervorlugt. Entweder der „Gebende“ entscheidet sich durch diese Konzentration darauf, sein Gegenüber ebenfalls zu einem Penis zu degradieren, was ja nun auch wirklich reizvoll ist oder für die Emotion „zu geben was das Zeug hält“ und die Missachtung als Unterstützung der devoten Rolle zu erleben.

Aus meiner Sicht gipfelt die Erniedrigung in meinem Knebel, der das Sklavenmaul durch einen Aschenbecher ersetzt. Wie herrlich ist es, einen Mann so zu einem lebenden Aschenbecher umzufunktionieren. Die ganz Harten schaffen es sogar, sich auf die Zunge aschen zu lassen, was aufgrund der Glut je nach Entfernung zu einem Kunststück für den Sklaven mutieren kann.
Wenn ich über die Folsom schreite, erblicke ich persönlich auch die dicksten und größten Zigarren, deren Existenz mir früher gar nicht bewusst war. Natürlich hat das Anstecken dieser überdimensionalen Zigarre hier eine phallische Motivation und das ist gut so, denn ich stehe auf subtile Anspielungen. Die Zigarre hat zu der Wirkung des kernigen und härteren Mannes zudem auch noch die des Genießers, denn eine Zigarre kann im Gegensatz zur Zigarette tatsächlich Geschmacksnerven treffen. Der belederte Zigarrenraucher gibt sich als Mann zu erkennen, der die körperliche Zusammenkunft ähnlich lange und intensiv auskosten wird wie den Genuss einer Zigarre. Er wird wahrscheinlich kleinste Emotionen wahrnehmen und mit Ruhe, Gelassenheit sowie Reife damit umgehen und nicht nach ner Minute verschämt nach dem Handtuch zum Abwischen suchen.

Die Kombination Anzug und Zigarre verspricht zudem noch einen stilvollen Umgang. So ein Mann wird sicher sehr entspannt einen stundenlangen Mindfuck hinlegen können und das Opfer einfach mal so nackt da sitzen- und zappeln lassen, bevor er sich dessen Körpers annimmt. Das Alles wird mit Sicherheit mit Intelligenz gepaart sein und bedeutet eine Herausforderung, die einen an die persönliche Grenze treiben wird.
Mögen wir heute alle richtigerweise dem Rauchen entsagt haben und gesünder leben, aber frei nach Gregor Brand wird der Versuch, dem Feuer das Rauchen abzugewöhnen, immer vergeblich sein.

Master André alias Dominus.Berlin ist 40 Jahre alt und arbeitet seit Jahren als Dominus deutschlandweit (www.dominus.berlin). Er stammt aus Düsseldorf und arbeitet nun in einem der bekanntesten Domina-Studios Berlins. Seine Erfahrungen und Erlebnisse- sowie die seiner Kollegen und Kolleginnen – werden in regelmäßigen Blogbeiträgen auf der Studioseite veröffentlicht: http://studioluxberlin.de/cms/dominus-berlin.html