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Fit mit Julien

TOD DEM TOFU

Es ist immer wieder bemerkenswert, wie schnell sich falsche Informationen verbreiten und wie sorglos man doch Dinge für wahre Münze nimmt, wenn man sie nur oft genug gehört hat. Ein fabelhaftes Beispiel dafür liefert uns ein Gerücht, das wir alle kennen oder von dem wir zumindest schon alle mal gelesen haben: „Pro Jahr vertilgt der Durchschnittsbürger bis zu vier Spinnen im Schlaf“. Es ist so einer von diesen Fakten, die nicht wichtig genug sind, als dass man sich die Mühe macht, den Inhalt zu überprüfen, aber trotzdem interessant genug sind, dass man beim nächsten Stammtisch mit seinen Freunden garantiert darüber sprechen wird. So verbreitet sich der falsche Fakt ungehindert weiter, bis er den Status des Allgemeinguts erklommen hat. Von da an bekommt man ihn nur noch mit Müh und Not aus den Köpfen der Menschen. Was die wenigsten wissen ist, dass das besagte Gerücht in den Neunzigern von einer Frau namens Lisa Holst bewusst gestreut wurde, um direkt auf die schnelle Verbreitung von falschen Fakten im Internet aufmerksam zu machen. Es ist schlichtweg erstunken und erlogen.

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Nicht nur das Internet, sondern auch die Gesundheitsbranche ist voll solcher Fakten. Manche bewusst gestreut, manche versehentlich verbreitet. Einer davon will uns vermitteln, dass Soja und Sojaprodukte wie Tofu und Miso zu den gesündesten Lebensmitteln im heutigen Supermarktregal gehören. Wenn ihr jetzt sagt: „Was hat mich das zu interessieren? Ich trinke keine Soja-Milch und bin auch kein Tofu-liebender Blumenjunge!“, dann liegt ihr falsch. Denn ob Hippie oder nicht, Soja steckt heutzutage in extrem vielen Lebensmitteln, ohne dass wir Notiz davon nehmen: Soja Protein Isolat, Soja Mehl, Soja Lecithin und Soja-Öl sind aus der Lebensmittelbranche nicht mehr wegzudenken. Der Durchschnittsbürger kann so bis zu 9% seiner Kalorienzufuhr aus Soja-Derivaten decken, ohne auch nur ansatzweise zu ahnen, dass er gerade Soja gegessen hat.
In der asiatischen Küche wird Soja schon seit Tausenden von Jahren eingesetzt. Man könnte also davon ausgehen, dass es mehr oder weniger unproblematisch für den Verzehr ist. Außerdem spricht man ja immer von der außergewöhnlich hohen Lebenserwartung der Bevölkerung in eben diesem Teil der Welt. Wir sollten dabei aber ein paar entscheidende Tatsachen nicht aus den Augen verlieren: Erstens wurden im asiatischen Raum traditionell fermentierte Sojaprodukte verspeist. Beispiele sind Tempeh, Miso, Natto und Tamari. Der Fermentierungs- oder auch Gärungsprozess ist deshalb wichtig, weil er die giftig wirkenden Bestandteile des Sojas reduziert. Zweitens wurden Sojaprodukte traditionell eher als Beilage oder Gewürz eingesetzt und nicht wie heute, um komplette Mahlzeiten zu ersetzen. Es gab also keine Soja-Burger, -Proteinshakes, -Joghurts, -Milch, usw. Der durchschnittliche Verbrauch von Soja liegt in China in etwa bei 2 Teelöffeln pro Tag (10g) und in Japan zwischen 30 und 60 Gramm. Das ist nicht gerade viel.
In der westlichen Welt konsumieren wir mehr, aber vor allem auch eine schlechtere Qualität von Soja. Denn im Gegensatz zur traditionellen asiatischen Küche sind unsere Sojaprodukte nicht fermentiert und wurden im industriellen Fertigungsprozess stark weiterverarbeitet.

Soya_beans

Wie beeinflusst das unsere Gesundheit?
1. Die in Soja enthaltenen Phytoestrogene stören unseren Hormonhaushalt und können sich negativ auf unsere Fruchtbarkeit auswirken. Phytoestrogen heißt die Verbindung, weil sie dem weiblichen Sexualhormon Estrogen von der Struktur her sehr ähnlich ist. Würdet ihr euer Tofu-Steak also weiter essen, wenn ihr wüsstet, dass ihr euch da gerade Unmengen weiblicher Sexualhormone reinschaufelt? Ich hoffe nicht, denn eine Studie der Harvard Universität zeigte, dass Männer, die täglich das Äquivalent von einem Glas Sojamilch verzehrten, eine um 50% reduzierte Spermienanzahl aufwiesen. Ein Indikator dafür, wie sehr unser Hormonhaushalt beeinflusst wird.
2. Soja enthält Trypsin-Inhibitoren, welche die Verdauung von Proteinen erschweren und die Bauchspeicheldrüsenfunktion beeinflussen.
3. Soja erhört unseren Bedarf an Vitamin D, den 50% der Bevölkerung eh schon nicht ausreichend decken. Gerade in den sonnenlosen Wintermonaten kann das zu Problemen führen.
4. Soja enthält Phytinsäure, welche die Aufnahme von Mineralien wie Kalzium, Magnesium, Kupfer, Eisen und Zink mindert.
5. Das in Soja enthaltene Vitamin B12-Analog wird von unserem Körper nicht absorbiert und erhöht unseren Bedarf an „echtem“ Vitamin B12.

Japanese_SilkyTofu_(Kinugoshi_Tofu)
Problematisch wird das Ganze umso mehr, wenn man bedenkt, dass heutzutage auch viel Babynahrung aus Soja vermarktet wird. Babys haben ein viel geringeres Körpervolumen und deshalb fällt bei ihnen die Störung des Hormonhaushalts auch verhältnismäßig drastischer ins Gewicht, als bei uns Erwachsenen. Vergleichsrechnungen zeigen, dass ein Baby, welches mit einer solchen Nahrung gefüttert wird, dadurch das Estrogen-Equivalent von mindestens fünf Anti-Baby-Pillen verabreicht bekommt. Pro Tag! Deswegen würde ich allen jungen Eltern in eurem Umfeld empfehlen, sich sehr sehr schlau zu machen, was das Thema betrifft.
Und alle erwachsenen Zeitgenossen möchte ich noch einmal auffordern darüber nachzudenken, warum Soja in ihrem Kopf als gesundes Lebensmittel abgespeichert ist? Denn: Unverarbeitet ist es toxisch, weiterverarbeitet ist es problematisch und ungewürzt bietet es ein Geschmackserlebnis, das einem Hauch von Nichts ähnelt. Das macht Soja zu einer netten Beilage wie in der traditionellen asiatischen Küche, aber aus ernährungswissenschaftlicher Sicht niemals zu einem Ersatzstoff für komplette Mahlzeiten. Vor allem die Veganer unter uns werden sich jetzt erst mal betroffen fühlen, aber ich kann euch garantieren: Die Welt ist voller Alternativen.
Bis demnächst. Euer Julien