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„Cuckolding“

Es ist Oktober und während ich durch die dunklen Tempelhofer Straßen von meinem Auto zum Studio schlendere, merke ich, dass es für diese Jahreszeit bereits sehr kalt ist. Das Studio liegt, anders als viele bekannte Studios, nicht in einer ausgemusterten abgelegenen Fabrikhalle, sondern in einem Gartenhaus eines Wohnblocks. Man kann also ganz unauffällig durch das Vorderhaus dort einkehren, ohne dass sofort ein Bezug zur nachfolgenden Aktivität gezogen werden kann.

Für mich ist der größte Vorteil, dass ich mich in diesen Räumen, insbesondere was die Lautstärke angeht, voll gehen lassen kann. Denn es ist nicht nur das Gartenhaus, sondern auch noch mit dicken Doppelglas-Fenstern dreifacher Schallisolierung versehen. In Schöneberg, wo sonst fast alle männlich-homosexuellen-SM-Aktivitäten stattfinden, hat man zwar auch den „undercover Straßenvorteil“, aber leider muss man oft leise sein. Dabei liebe ich es, bei meinen Sitzungen laut zu sein. Ich kann beim Schreien alles rauslassen – und vor allem auch: rausholen. Doch der erste Klient des heutigen Tages wird wahrscheinlich genau das Gegenteil von Laut benötigen.

Seine Fantasie ist besonders aufregend. Etwas, was bei den allermeisten Menschen einen eher negativen Effekt auslöst, wirbelt bei ihm volle Erregung hervor: Eifersucht. Er wird bei der Vorstellung, dass jemand seinen Partner sexuell missbraucht, richtig geil. Man nennt diese Fantasie „Cuckolding“(googletipp!). Das ist wirklich sehr spannend, nur leider in der Realität nicht immer gut umsetzbar, da der Partner logischerweise mitspielen muss. Dieser Klient, Stefan, ist in der Situation, wie die meisten, die zu mir kommen: Er lebt eben nicht in einer offenen Beziehung, sondern hat einen Partner, der für seine besonderen Neigungen leider wenig Verständnis hat.

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich vor meiner Karriere als männliche Domina davon auch keinen blassen Schimmer. Jetzt genieße ich das Spiel mit dieser Fantasie. Wir hatten ein paar Emails darüber ausgetauscht und der Plan steht. In diesem Falle, weiß ich schon jetzt, werde ich ganz subtil vorgehen. Denn es ist ein anmutendes, prickelndes Spiel mit Worten, die sich in Gedanken zu einer ganz eigenen Realität manifestieren lassen: Es klingelt an der Tür und ich spreche in die Gegensprechanlage, um meinem Klienten die ersten Anweisungen zu geben: „Willkommen im Studio Lux. Du gehst durch bis zum Gartenhaus, die Türe ist angelehnt, dann sofort in den Raum links, schließt die Türe, stellst dich in die Mitte des Raumes und wartest dort auf mich.“

In der Regel mache ich „Spiel ab Tür“ (So nennen wir Dominas das, wenn kein Vorgespräch stattfinden soll). Wenn der Klient sich erst akklimatisieren will, dann setze ich mich mit ihm oder ihr erst einmal hin. Wir haben in allen Räumen extra dafür eine Vorgesprächsecke. Ich schätze das sehr an diesem Studio, denn all meine Kolleginnen und Kollegen legen besonders großen Wert auf Zielerfüllung. Das geht aber eben nicht, wenn man einfach nur wild drauf los prügelt, ohne Kenntnis über das zu bearbeitende Spielfeld. In diesem Falle war explizit ausgemacht, dass wir kein Vorgespräch führen werden. Ich höre wie er  herein kommt, in den Stahlraum geht und die Türe hinter sich schließt. Ich lasse nun den Raum, die Gedanken sowie die „vorfreudige Erregung“ des Klienten etwas auf ihn wirken. Das ist nicht schwer, denn der Raum ist wirklich anregend. Über die gesamte Decke ist Latex in knalligem grün gespannt, der bei entsprechender Beleuchtung sogar wie ein Spiegel wirken kann. Darunter ein absichtlich asymmetrisch angelegtes, verrostet aussehendes Stahlkonstrukt, an dem Fesseln, Slings und weiß der Himmel *räusper*.. „die Hölle“ noch alles befestigt werden kann.

Ich zünde immer Kerzen an, bediene mich an passender düsterer und zeitgleich entspannender Musik. Allein das wirkt schon. Wenn ich den Raum betrete, dann sehe ich (wie fast üblich) meinen Klienten schon ein wenig zittern. Ich gehe um ihn herum und baue mich vor ihm auf. Er sieht mich komplett in Leder: mit kniehohen glänzenden Stiefeln, Lederhandschuhen, Motorradjacke und vorne in meinem Schritt ist deutlich ein Reißverschluss zu sehen, den ich bei Bedarf so genial-geil weit öffnen kann, dass alles Wichtige zur geilmachenden Ansicht erscheinen kann. Ich schaue ihm nun in die Augen: „So, wir beide werden uns jetzt mal über deinen jungen Freund unterhalten. Aber erst mal bekomme ich deine Hände.“ Er beeilt sich, mir schnell diesen Wunsch zu erfüllen und ich fessle ihn.

Für diese Aktion ist definitiv kein Einstunden-Bondage-Kunstwerk gefragt, denn er muss sich lediglich ausgeliefert fühlen, um damit ganz bei sich selbst und später auch bei mir zu sein. Also fessle ich seine Hände über seinen Kopf sowie auch die Füße zusammen, setze ihm die Augenbinde auf und sorge dafür, dass das Letzte, was er sieht meine Augen sind. Ich öffne kräftig und bestimmend seine Hose. Er hat einen schönen Schwanz. Allerdings ist mir diese Schönheit nicht wirklich wichtig, denn ich bin selten in „rein körperlichen Missionen“ unterwegs.

Natürlich benutze ich diese simplen körperlichen Stimulationen und spiele damit, aber es ist eher Mittel zum Zweck. Für mein Ziel habe ich heute ganz andere, sehr subtile Maßnahmen: Ich flüstere nun in Stefans Ohr, wie ich seinen Mann verführen werde. Ich sage ihm, wie geil der Kleine sein wird, wenn er einen jüngeren Mann sieht, welcher ihm einen ordentlichen Spaß verspricht, denn sein jüngerer Freund ist ja der Passive in der Beziehung. Während ich mit ihm spreche, streichle ich jetzt auch Stefans Penis. „Es wird dich entsetzen, wie du gefesselt auf dem Boden liegst und zusehen musst, wie ich deinen Kleinen langsam Zentimeter für Zentimeter beglücke. Du wirst sehen wie dein Schatzi dann richtig große Augen bekommt. Er wird seine Augen sogar verdrehen, wenn ich dann richtig zustoße, ihn bei den Hüften packe und zu mir ranziehe.“

„Bitte nicht“, jammert Stefan nun rum. „Oh doch! Und ich schwöre dir: Dein kleines Luder wird stöhnen wie ein Tier, wenn ich ihn dann richtig zureite.“ Stefan zittert und versucht sich, soweit es die Fesselung zulässt, zu wehren. Ich höre, wie die Fesseln in den Ringen des Stahlgerüstes hin und her schaben, aber ich konzentriere mich auf ihn und die Geschichte. „Ich werde es vor deinen Augen machen, und du liegst da und kannst nichts machen. Eventuell mache ich es mir bei euch auch noch gemütlich“. Ich streichle ihn nun etwas fester „ …und rauche mir einfach eine, während ihr zwei da gefesselt rumliegt …. Wenn ich euch zwei Spießbürger da gefesselt habe, dann könnte ich auch meine zwei türkischen Kumpels dazu holen, die werden dich und insbesondere deinen Kleinen mal ordentlich zusätzlich rannehmen.“  Ich merke, dass sein Schwanz nun steinhart ist und er stöhnt laut. Ich fahre fort: „Dann würde ich mit meinen Kumpels über deinen Kleinen hersteigen. Und glaub mal, deine kleine Schlampe wird es genießen. Wir drei werden uns in eurer Charlottenburger Schickimicki-Wohnung verhalten wie die letzten Säue. Eventuell pisse ich dir sogar auf den Kopf, nachdem ich deinen Freund genommen habe. Ich spucke langsam auf dich runter und wir lachen anschließend gemeinsam über dich. Aber du kannst gewiss sein, dass sich immer jemand deines jungen Freundes annimmt, solange wir da sind.“
Stefans Stöhnen wird nach diesem Satz noch um einiges lauter. Ich spüre, dass die Erniedrigung seiner Person in der Geschichte ihn zusätzlich kickt, also spinne ich die Geschichte in diese Richtung weiter: „Du kleine Drecksau, wenn du es nicht schaffst, deinen Freund mal richtig zu nehmen, dann müssen es eben andere machen.“ Mein Klient fängt jetzt an zu wimmern: „ Oh ja, Ich bin eine Sau“, “Ich komme immer zu früh“, „Ich kann es nicht“ …solche Satzfetzen kommen nun raus … ganz aus seinem tiefsten Inneren … aus seiner Seele. Es reizt mich. Es zuckt bei mir im Schritt und fahre fort: „Du kleines Dreckstück, wir werden alle über dich lachen. Dann wirst du mal sehen, wie Männer vorgehen, die auch richtige Männer sind, nicht so eine Memme wie du eine bist.“ Aus seinem Mund schallt: „Ja, ich bin ein Versager, ich bin eine Pussy“… und ich merke, dass diese Worte in seinem Hals stecken bleiben, denn ein Teil von ihm mag sie nicht. Allerdings kommen sie aus seinem tiefsten Inneren, daher nehme ich sie trotzdem weiter auf und spiele damit. Ich bin mir jetzt bewusst, dass ich an der Grenze angekommen bin und liebe genau diesen Punkt und fahre fort: „Genau! Du bist doch die Pussy, du bist doch das Dreckstück, das eigentlich hinhalten sollte und mal richtig durchgebumst werden sollte. Alle werden wir auch dich noch mal durchnehmen. Du müsstest eigentlich nur noch Pussy sein, hinhalten für mich und die dicken, geil beschnittenen, harten Prügel meiner zwei türkischen Kumpels … bis alle gekommen sind. Danach spucken wir noch auf dich runter und lachen dich aus, du Schlampe.“

Mein Klient schreit, der ganze Körper bebt nun. Ich liebe diesen Moment, da meine Arbeit nun den gewünschten Erfolg bringt. Sein Sperma landet auf meinem Unterarm. Es kommt wahnsinnig viel in so verdammt großen Schüben. Es scheint, als würde sein Penis das Sperma fast werfen. Er spritzt teilweise auch gegen meinen Bizeps. Ich schaue auf meinem Oberarm runter und irgendwie sieht es geil aus. Ich mag meinen schönen kräftigen Bizeps und das Sperma läuft direkt an der Ader, die sich über meinem Bizeps zieht herunter – geil!

Mein Klient sackt jetzt in sich zusammen und ich muss mich beeilen, ihn von den Fesseln zu befreien. Nach dem Orgasmus wird man sich der Schmerzen, die diese Fesseln ausgelöst haben, erst richtig bewusst. Natürlich dauert das Spiel um einiges länger, als ich es hier beschrieben habe. Ich vermeide nun erst mal, mit ihm darüber zu reden, dass sich jetzt gerade auch herausgestellt hat, dass er, zusätzlich zum „Cuckolding“, auch devote und passive Neigungen hat. Dieses hat er ja nun selbst bemerkt, daher lasse ich es erst einmal unkommentiert. Dass sein Lustgewinn aus der Eifersucht sich in dieser Partnerschaft nicht abbilden lässt, das allein ist schon schade. In der Regel sind die Rollen bzw. Machtverhältnisse in langjährigen Beziehungen nur schwer veränderbar. Ich beurteile nicht, ob es besser wäre, sich aus dieser Beziehung zu lösen, um diese sexuellen Fantasien umzusetzen.

In diesem Falle wäre mein Klient mit einem aktiven Partner, der Verständnis für diesen Lustgewinn aus der Eifersucht heraus hat, sicherlich besser bedient. Aber es ist eben nicht so. Er liebt einen anderen Mann, der gerne passiv ist und offensichtlich zudem noch monogam leben will.
Nun sind die Fesseln gelöst und mein Klient hat keine Augenbinde mehr auf. Trotzdem schaut er auf den Boden. Er schämt sich. Ich lasse ihn erst mal etwas in die Realität zurückkommen. Ich streichle seinen Kopf etwas und sage lächelnd: „Das war richtig geil – Da kam was raus!“ Wir sprechen noch kurz primär über meinen Kick, damit er sich mir gegenüber nicht rechtfertigen muss und feststellen kann, dass er bei mir mit seinen Fantasien genau richtig ist. Er lächelt zufrieden und vor allem dankbar, als wir dann schließlich an der Tür stehen. Wir drücken uns kurz, noch ein bestätigender Blick in die Augen und er geht entspannt.

Das mit dem „Kick durch den Kick des Anderen“ ist im Übrigen gar nicht gelogen, denn ich erlebe das sogar sehr intensiv. Ich glaube, das hat jeder schon einmal gespürt, der in seiner Sexualität etwas sensibler ist. Zu diesem Kick wird sich heute noch eine ähnliche Erfahrung mit einem anderen Klienten hinzugesellen – aber dazu in der nächsten Ausgabe mehr.

Ich denke in diesem Falle, dass Liebe und Zusammengehörigkeitsgefühl den größten Respekt verdienen. Zudem ist es auch möglich, dass Stefan ansonsten sehr zufrieden ist mit der Konstellation zu seinem passiven Partner und nur diesen Bereich seiner Sexualität zwischendurch mal ausleben muss. Und wie ich gerade wieder erlebt habe, bekommt man sexuelle Befriedigung ja nun auch wirklich gut außerhalb einer Beziehung hin. Das ist mein Job – und wenn es Fantasien jenseits der Normen sind, bin ich zudem noch verdammt gerne dafür da!