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CLASSIC MEETS FETISH

Obwohl Tyrone Rontganger hier meistens die Fragen stellt, wollten wir von ihm als Produzent des jährlichen Fetischkonzerts „CLASSIC MEETS FETISH“ selber ein paar Antworten haben. Hier erzählt er alles über das kommende Konzert am 7. September 2017.

BOX: Hi Tyrone. Im September kommt die 3. Edition von CLASSIC MEETS FETISH. Bleibt aber noch alles wie beim Alten?
Tyrone: Das nächste Konzert findet am 7. September statt, wieder zum dritten Mal an dem Donnerstag vor Folsom Europe. Es stimmt, dass der Event wieder in der Zwölf-Apostel-Kirche zu sehen und hören sein wird und auch, dass wir im Großen und Ganzen sogar dieselben Musiker wie in den ersten beiden Jahren haben. Trotzdem planen wir schon einige wichtige Änderungen, besonders im VIP-Bereich, in der Taktung, Musik und Dekoration. Es soll dieses Jahr alles noch besser werden! Ich will, dass der Event einen Rundum-Auftakt zum Folsom Europe bietet, wo das Publikum das Konzert mit tollen Erinnerungen verlässt.

BOX: Auf welche Musikstücke darf man sich denn schon freuen?
Tyrone: Wir haben wieder sehr hart an dem Programm gearbeitet und sind auf das Ergebnis sehr stolz. Dieses Jahr ist wirklich etwas für jeden dabei! Wir haben in beiden Hälften eine schöne Zeitreise durch verschiedene Musikepochen, von J.S. Bach zu Mompou, von Star Wars zu Chopin! Das Publikum wird auch dieses Jahr direkt ins Konzert miteinbezogen, worauf ich mich schon sehr freue. Ich hoffe, mit der Musik viele verschiedene Emotionen verknüpfen zu können. Das Programm kann man schon auf unserer Webseite lesen. Und, wie immer, alles gespielt von einer Reihe geiler Musiker!

BOX: Wer macht dieses Jahr die Musikdirektion?
Tyrone: Weißt du, das Konzert läuft unter meinem Namen und ist sozusagen mein Baby! Es entsprang aus einer Idee von mir und ich habe dafür sehr hart gearbeitet, damit es ein Erfolg wird. Ich habe es mir die ersten beiden Jahre aber nicht getraut, die Musikdirektion zu übernehmen und dabei erfahrenen, studierten, Profi-Musikern zu sagen, wo es langgeht und was ich von ihnen hören wollte! Jetzt im dritten Jahr dabei denke ich mir, ich muss zu allem beim Konzert stehen können: Dem Veranstaltungsort, den Ticketpreisen, den Musikern und dazu gehört auch die Musik. Ich habe mir dieses Jahr deswegen ein kleines Team zusammengestellt, um mir eigentlich die Arbeit etwas zu erleichtern. Wir haben unter uns die Aufgaben verteilt, und somit habe ich auch ihre Meinungen bei der Musik miteinbezogen.

BOX: Du hast gerade von den Preisen gesprochen: Warum sind sie teurer sind als im letzten Jahr?
Tyrone: Dieses Konzert zu veranstalten, kostet schon eine Menge Geld und es muss alles finanziell erstmal gedeckt werden. Wir haben MrB Berlin als Hauptsponsor und ohne sie wäre das Ganze unmöglich, aber wir sind trotzdem auf den Ticketverkauf stark angewiesen. Das Setup und die Technik dieses Jahr sollen viel aufwändiger sein als in den vergangenen Jahren und ohne eine Erhöhung der Preise ist das alles leider nicht drin.
Dazu möchte ich aber sagen, dass ich dieses Jahr den Musikern und Helfern für ihre Arbeit zahlen möchte, denn ich finde es nicht fair, sie Jahr für Jahr zu bitten, umsonst zu spielen. Die Musiker sind Profis und verdienen ihr Geld durch Musik, und das sollte ihnen endlich im dritten Jahr honoriert werden. Letztes Jahr habe ich leider außerdem erlebt, wie mehrere freiwillige Helfer am Abend einfach nicht erschienen sind und wir hatten daher ein richtiges Chaos beim Einlass. Ich musste persönlich mehrere Leute ohne Karten reinlassen, sonst hätte das Konzert viel zu spät angefangen. Um das zu vermeiden, muss man den Helfern auch etwas für ihre Zeit und Mühe geben, damit sie auch kommen wollen.

BOX: Bleibt CLASSIC MEETS FETISH dann noch eine Benefizveranstaltung?
Tyrone: Definitiv! Das Eine schließt das Andere gar nicht aus! Klar werden wir nicht so viel wie im letzten Jahr spenden können, aber ich finde es nach drei Jahren völlig in Ordnung, Leuten für ihre Arbeit einen Obolus zu zahlen. Wir werden trotzdem nach diesen Abzügen den Erlös spenden und keiner macht sich eine goldene Nase dadurch. Der Rote Kreuz und andere Wohltätigkeitsorganisationen machen es auch nicht anders! Es gehört einfach dazu, Leute für ihre Arbeit zu bezahlen; das Andere nennt man Sklaverei! Wenn sie dann von sich aus ihr Honorar spenden wollen, ist das ihnen überlassen, aber ich will, dass keiner von mir sagt, ich nutze die Leute aus.

BOX: An wen geht dann dieses Jahr die Spende?
Tyrone: Wir haben in den ersten beiden Jahren die Berliner Aidshilfe und das Hospiz Tauwerk sehr gerne unterstützt. In den letzten Monaten aber sehe ich mit zunehmendem Erschrecken, wie schwule Männer in Tschetschenien verfolgt und ermordet werden. So was darf nicht sein! Wenn wir Schwule hier die Möglichkeit haben, in Berlin ein klassisches Konzert in unserem Fetisch zu besuchen und unsere Sexualität in einem solchen geschützten Rahmen zu feiern, dürfen wir die Verfolgten nicht vergessen. Jeder von uns könnte in einer anderen Situation einer von ihnen sein! Daher wollen wir dieses Jahr eine Ausnahme machen und den Erlös an die „Chechnya100“ spenden.

BOX: Als du mit der Idee angefangen hast, war CLASSIC MEETS FETISH weltweit die einzige derartige Veranstaltung und mittlerweile gibt es mehrere. Wie denkst du darüber?
Tyrone: Ich habe dabei sehr gemischte Gefühle! Schon in diesem Jahr wurden zwei ähnliche Veranstaltungen in Köln und Los Angeles gezeigt und 2018 werden wahrscheinlich weitere Konzerte durch Europa und die USA zu sehen sein. Es ist toll, dass so viele Leute überall auf der Welt von der Idee jetzt so überzeugt sind, aber schade, dass sie nicht daran glaubten, als ich damals die Idee hatte! Jetzt haben sie zugesehen, wie wir durch eine Menge Arbeit einen Erfolg daraus gemacht haben und sie machen es dann irgendwie nach. Aber ich kann nichts dagegen tun, außer mich richtig zu freuen, dass dieses Konzept mittlerweile so populär geworden ist. Das Original bleibt aber in Berlin!

BOX: Wie siehst du denn die Zukunft vom CLASSIC MEETS FETISH?
Tyrone: Wenn ich nur meine Glaskugel dabeihätte! *lacht* Ich denke, der Erfolg von diesem Event bestand darin, dass es so einzigartig und brandneu war. Das war für viele Besucher der große Reiz, aber wenn es jetzt überall verteilt durchs Jahr mehrere ähnliche Konzerte gibt, wird es mit der Zeit natürlich seinen ursprünglichen Glanz verlieren. Ich hoffe aber, dass wir noch ein paar Jahre vor uns haben. Wie es aber heute steht, läuft der Kartenverkauf schon super gut – fast 50% der Karten für das Konzert im kommenden September sind schon verkauft! Wer sich noch eine Karte ergattern will, soll nicht zu lange zögern, sonst sind die besten Plätze alle weg.

BOX: Fetischmäßig: Was ist erlaubt?
Tyrone: Obwohl CLASSIC MEETS FETISH ein Fetischevent ist, darf man nicht vergessen, dass diese Veranstaltung in einer geweihten Kirche stattfindet. Die Kirchengemeinde stellt uns ihren Gebetsort freundlicherweise zur Verfügung und das wollen wir respektieren. Man kann da nicht herumlaufen wie in einem Darkroom! Respekt fließt immer nur in zwei Richtungen – wenn wir es selber von Anderen verlangen, müssen wir bereit sein, es Anderen zu zeigen! Das hat mit Religion nichts zu tun! Außerdem ist ein klassisches Konzert keine Party, Spielwiese oder Sexveranstaltung, und Hundemasken, angeleinte Ketten, nackte Ärsche usw. haben da echt nichts verloren! Dieses Jahr wird die Einlasskontrolle daher etwas strenger sein. Also, kommt in eurem Fetisch, aber bitte nicht übertreiben. Wer unsicher ist, was geht und was nicht, kann sich auf unserer Webseite sehr detailliert informieren.


Tyrone: Ja, in der Tat arbeite ich weiter an zwei anderen Projekten, die ich sehr gerne 2018 auf die Bühne bringen möchte. Aber ich sage lieber vorerst nichts, bis ich sie bestätigen kann. Ich bedanke mich bei euch auch und bin berührt von der Unterstützung der BOX und eurer Leser. Hoffentlich sehen viele von uns sich wieder am 7. September um 20 Uhr in der Zwölf-Apostel-Kirche in Berlin-Schöneberg.
CLASSIC MEETS FETISH Tickets und Infos: www.classic-meets-fetish.de